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STREIFZÜGE durch die Geschichte des oberen Erzgebirges. Heft 8
Dr. Lothar Klapper
"600 Jahre Frohnau"
Aus der Geschichte des Dorfes
005 Gründung und erste urkundliche Erwähnung
009 Die alten Feudalverhältnisse des Dorfes
014 Der Bergbau und andere Gewerbe
017 Die Bevölkerungsentwicklung Frohnaus und ihre geschichtlichen Hintergründe
024 Interessantes aus der Ortschronik
032 Aus der Schulchronik
034 Wetterkapriolen
036 Literatur- und Quellenverzeichnis
1. Gründung und erste urkundliche Erwähnung
Die älteste dokumentarisch überlieferte Erwähnung des Dorfes Frohnau ist datiert mit dem St. Martins-Tage (11. Nov.) 1397. Der entsprechende Beleg ist jedoch keine 600 Jahre alte Urkunde, sondern eine im 16. Jh. für Annaberg angefertigte Abschrift des Orginaldokumentes, worauf noch näher einzugehen ist. Daß diese Überlieferung die am weitesten zurückreichende schriftliche Quelle der Frohnauer Ortsgeschichte bedeutet, für Geyersdorf und Kleinrückerswalde übrigens auch, ist Zufall. Mit Sicherheit ist Frohnau wesentlich älter, auch wenn kein urkundlicher Nachweis aus früherer Zeit mehr existiert .
Die älteste urkundliche Erwähnung eines Ortes des Landkreises Annaberg geht auf das Jahr 1240 zurück: Meinher II., Burggraf von Meißen, bestätigte dem Kloster Grünhain den Erwerb von Raschau, Markersbach und Schwarzbach. Urkundliche Nachrichten über die eigentliche Gründung der Orte im mittleren Erzgebirge fehlen gänzlich. Für die zeitliche Einordnung der Entstehung dieser Dörfer müssen deshalb die Ergebnisse der archäologischen Forschung und Schlußfolgerungen aus der allgemeinen Besiedlungsgeschichte herangezogen werden.
Bis ins 12. Jh. hinein war unser Erzgebirge von einem dichten Urwald, dem "Miriquidi" (aus dem germ. Sprachgebrauch - Dunkelwald), bedeckt. Der Wald bildete eine natürliche Grenze zwischen dem unter deutscher Herrschaft stehenden und von slawischen Stämmen besiedelten Gebiet im Norden und dem Königreich Böhmen im Süden.
Unter Führung des Feudaladels siedelten sich im Laufe des 12. Jh. deutsche Bauern aus den Gebieten westlich der Saale im Slawengebiet an und drangen auch nach Süden ins Waldgebiet vor. Diese bäuerliche Landnahme erfolgte friedlich und planmäßig im Rahmen des feudalen Landesausbaus im Hochmittelalter. Große Teile des Waldlandes gehörten zum Königsland Friedrich Barbarossas, dem "Pleißenland". Der König beauftragte Lehensmannen, Grafen, Burggrafen, Reichsministeralien (Dienstadel) und Klöster mit dem Landesausbau. Die adligen Herren setzten Lokatoren ein, erfahrene und vertrauenswürdige Männer, die siedlungswillige Bauern in das erkundete Neusiedelgebiet führten und ihnen ihr neues Land zuwiesen. Unter der Führung der Lokatoren begannen die Siedler in gemeinsamer Arbeit mit der Rodung des Urwaldes. Durch harte, zähe Arbeit in ständiger Auseinandersetzung mit den Naturgewalten schufen sich die Bauern aus Franken, Thüringen, der Pfalz u.a. Herkunftsgebieten eine neue Heimat. Am Ende des 12. Jh. erreichte die bäuerliche Besiedlung die Kammlagen des Erzgebirges.
Die Siedler schufen die für das Erzgebirge typische Siedlungsform , das geschickt in die Landschaft eingepaßte Waldhufendorf. Auch Frohnau ist ein solches. Das Dorf wurde von der Sehmaaue aus an einem Nebental zwischen Schreckenberg und Schottenberg angelegt. Die Gehöfte bauten die Bauern etwas erhöht beiderseits des Tales. Vom Hof aus steckte der Lokator dem Siedler ein zusammenhängendes Geländestück hangaufwärts zur Nutzung ab. Die Landstreifen waren in etwa gleich groß und wurden als Hufe, Lehen oder Erbe bezeichnet. In der Dorfanlage und der Landschaft lassen sich noch heute Spuren des alten Walthufendorfes nachweisen, wenn diese auch infolge der Überprägung durch Bergbau und Nachbesiedlung in späteren Jahrhunderten verwischt sind.
Aus der Besiedlungsgeschichte des Erzgebirges kann man demnach schließen, daß unser Dorf etwa 800 Jahre alt ist - 300 Jahre älter als Annaberg.
Ortsjubiläen jedoch sollten auf der Grundlage einer sicheren Dokumentation mit Datum und Adresse begangen werden. Diesen Anspruch erfüllt zweifelsfrei die Urkunde von 1397, auch wenn nur eine Abschrift aus dem 16. Jh. erhalten ist, die aber wortwörtlich den Orginaltext wiedergibt. Sie ist im Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden unter Loc. 9827 im Band "Die Stadt Annaberg und besonderen Privilegien belangende de av: 1529 - 1710 " Vol. II auf Blatt 70 zu finden.
Der eigentliche Grund für die Dokumentation der Urkunde im Privilegienbuch der Stadt Annaberg liegt in ihrem Inhalt :
Heinrich I., Burggraf zu Meißen und Graf zu dem Hartenstein belehnt am 11. 11. 1397 "den Weissen manne Paul Richter zu Rückerswalde" mit einem Waldstück, "ein Stück Holz, das da stoßet an dem vorgenannten Richters Erbe, auch scheidet das vorgenannte Holz ein Weg, der da gehet von Geyersdorff bis ghen Fronaw ...". Betitelt ist das Schreiben mit " Copey des Lehenbreffs des Richters zu Ruckerswalde vorr den platz darauff die Stat Sanct annaberg sol erbaut seien ". Den Erhalt einer Kopie dieser Urkunde verdanken wir also der Tatsache, daß das Lehen den Baugrund für Annaberg bildete.
Dem Dokument zufolge war 1397 der Lehensherr des Gebietes um (Klein)rückerswalde der Burggraf Heinrich I. aus dem Geschlecht der Meinheringer. Wir wissen, daß es sich hierbei um die sogenannte Herrschaft Pöhlberg handelt. Im Zuge der Besiedlung und in deren Folge bildeten sich feudale Grundherrschaften, die im zähen Ringen zwischen den Feudalherren oft ihren Besitzer wechselten. Relativ spät, erst im Jahre 1411, weist eine Urkunde solch eine Feudalherrschaft östlich des Pöhlberges nach. Das Schriftstück beurkundet die Verpfändung der Herrschaft Belberg (Pöhlberg). Ins heutige Deutsch übertragen heißt es darin:
"Wir Heinrich, von Gottes Gnaden des Römischen Reiches Burggraf zu Meißen und Graf zum Hartenstein, bekennen vor uns und allen unseren Erben und tun öffentlich kund ..., daß wir den hochgeborenen Fürsten, den Brüdern Friedrich und Wilhelm, Landgrafen in Thüringen und Markgrafen zu Meißen, unsere lieben gnädigen Herren, unsere Dörfer hiernach geschrieben : Rückerswalde, Frohnau, Geyersdorf, Dörfel und Tannenberg halb, und den Belberg mit allen Gerichten, Rechten, Ehren, Würden, Nutzen, Zinsen, Diensten, Pflichten ... zum Pfande gesetzt und ingetan haben für 900 gute alte Rheinische Gulden ...“
Mit der Verpfändung gelangte die Herrschaft letztendlich entgültig an die Markgrafen aus dem Hause Wettin, denn die Meinheringer lösten den Pfand niemals ein. Ihre Dynastie befand sich im Niedergang. 1426 fiel der letzte Meinheringer, Heinrich II. in der Hussitenschlacht bei Aussig.
Ihre Grafschaft Hartenstein hatte der Burggraf Heinrich I. schon 1406 an die Herren von Schönburg aus Glauchau verpfändet. Diese wurden dann später damit belehnt. Die Herrschaft Pöhlberg aber war die erste Grundherrschaft der Wettiner im oberen mittleren Erzgebirge auf dem Territorium des heutigen Landkreises Annaberg. In den folgenden 150 Jahren gerieten sämtliche Herrschaften des oberen Erzgebirges in den Besitz des 1423 vom Kaiser mit dem Kurfürstentitel und dem der Herzöge von Sachsen belehnten wettinischen Fürstengeschlechtes.
Erst seit der Zeit der wettinischen Herrschaft läßt sich eine, auf Grund der Quellenlage aber lückenhafte, Ortsgeschichte Frohnaus erstellen. Den Ortsnamen "Frohnau" deutete Dr. Bönhoff 1911 aus den mittelhochdeutschen Bestandteilen Fron und awe - aue als dem Herren eigene Aue. Die herrschaftliche Amtsmühle, die sich im Sehmatal am Standort der heutigen Leichtmetallgießerei befand, stammt als "Herrenmühle" vermutlich schon aus der Zeit der Meinheringer. Ortsname und Herrenmühle deuten darauf, daß der Grundherr Frohnau als Herrschaftszentrum betrachtete, zumindest wirtschaftlich -politisch, denn kirchlich gehörte der Ort zu Kleinrückerswalde. Eine andere Deutungsmöglichkeit, die Bönhoff nicht ausschließt, ist, daß "Frohne" für "Herrenwald" steht, möglicherweise die ursprüngliche Bezeichnung für den Sauwald. Demnach würde der Dorfname Aue am Herrenwald bedeuten.
2. Die alten Feudalverhältnisse des Dorfes
Die alten feudalen Verhältnisse der ersten 300 Jahre Ortsgeschichte lassen sich nur indirekt durch jüngere schriftliche Quellen rekonstruieren. Ein wesentliches Dokument zur Erschließung dieser ist das Amtserbbuch des Mühlenamtes Annaberg von 1547, das die Feudalverhältnisse der Dörfer Frohnau, Geyersdorf und Kleinrückerswalde widerspiegelt. Die Gebirgsbauern, die ihr Land erblich vom Grundherren gepachtet hatten, waren persönlich frei, das heißt, sie waren nicht durch Leibeigenschaft und Hörigkeit an ihren Herren gebunden. Für das geliehene Land mußten sie dem Grundherren Feudalabgaben entrichten und Dienste leisten. Im Amtserbbuch, das Kurfürst Moritz anlegen ließ, sind die Dienst- und Abgabenplichten sämtlicher Familien an das kurfürstliche Amt verzeichnet. Das Mühlenamt Annaberg wurde wegen der Herrenmühle in Frohnau so bezeichnet. Die Mühle galt lange Zeit als Verwaltungssitz des Amtes.
Im Amtserbbuch heißt es zu Frohnau :
"In diesem Dorfe, Felder und Flure stehen dem Amt die Gerichte, Oberes und Niederes, mit aller Botmäßigkeit zu ..." Die niedere Gerichtsbarkeit unterstand dem gewählten Dorfrichter. Das Dorf hatte "ein walzend Gericht", d.h. daß das Richteramt von Hof zu Hof unter den Erbmännern wechselte. Diese waren die eigentlichen Erbbauern, deren Vorfahren das Land gerodet hatten. Angegeben sind 58 "besessene Mann" nämlich 15 Erbmänner und 43 Gärtner.
"Im angezeigten Dorfe sind 8 ganze Lehen und 3 Viertel Erbes, die sind unter die 15 Erbmänner geteilet. Die Gärtner aber haben zu ihren Häuslein an Wiesen, Äckern noch Gehölzen keine Zugehörung". Außer diesen sind noch 34 "Gebirger" verzeichnet, die wie die Gärtner für ihr Häuslein zu Walburgis und Michaelis je einen Groschen zu zinsen hatten. Es wird sich bei diesen meist um Bergmanns- und Handwerkerfamilien handeln, deren Anzahl die Bauernfamilien am Ende des 15. Jh. schnell übertrafen. Die Erbbauern aber zahlten nach der Fläche ihres Bodens, wie sie seit alters her verpflichtet waren. Zur Dokumentierung seien folgende Angaben angeführt :
Frohnauer Namen aus dem Amtserbbuch: (nach Zinsliste Walburgis)
15 Erbbauern Frohnaus - 1547:
Jörg Donat 3/4 Erbe Land
Hans Donat 1/4 Erbe
Veit Eschenbach 1/4 Erbe
Thomas Fuchs (Richter) 3/4 Erbe
Hans Feig 1/2 Erbe
Jörg Graupner 1/4 Erbe
Christoff Hirsch 2/4 Erbe
Andres Katener 2/4 Erbe
Andres Marggraf ein ganz Erbe
Michel Marggraf 7/4 Erbe
Leonhart Reuboltin 7/4 Erbe
Lucas Reuboltin 2/4 Erbe
Paul Rigel d. Obere 2/4 Erbe
Paul Rigel d. Untere 1/4 Erbe
Andres Tauth 1/4 Erbe
Gärtner (43) (Häuschen mit Garten oder etwas Feld): Matthes Arnberger, Michel Auerbach, Melchor Brocoff, Franz Donat, N. Fischer, Hans Forster, Hans Freijberger, Peter Friederich, Paul Grobner, Wilhelm Hamer, Asman Hänel, Fabian Heim, Thomas und Lucas Heinig, Laux Hempel, Hans Her, Wolf Heubel, Hans Hirsch, Paul Hoffmann, Hans Klobel, Christoff Leuchel, Max Marggraf, Merten u.Nickel Meijner, Merien u. Michel Müller, Anna Nettens. Hans Ponitz, Gregor Reiche, Oswald Rorer, Valten Rorer, Michel Schel, Lutz Schellhorn, Oswaldt Schosser, Herman Schwartz, Simon Sprinsfeldt, Brosius Stöltzel, Anna Türckis, N.Ulman, Urban Unger, Michel Vijrner, Hijrn Vlyrz, Hans Zinckmann,
Gebirger (34) (ohne Grund und Boden): zB: die alte Beckin, Hans Beck, Christoff Bierschrotter, Wolf Breitschneider, Budenderlein, Alex und Heinrich Eitelbös, N. Flemig, Merten Frunckel, die alte Hanin, Mathes Hasel, Michel Hegewald, Gregor Her, Wolf Heudelm, Andres Holtzheuser, klein Jorgin, Hans Kummel, N. Lyranus, Jorg Luntzman, Brocof Mockel, Christoph Örtel, Jochim Pingwert, Hans Richter der Alte u. der Jüngere, Gregor Richter, Oswaldt Rorer, Michel Runbaum, N. Schlosser, Valten u. Burckhart Schmidt, N. Seijdel, Andres Siber, Adam Sprinsfelt, Alte Steijnlin,
Unter der Zinsliste Michaelis werden noch zusätzlich aufgeführt: Simon Gros, Garten u. Haus, Agnes Fuchsin, Haus u. Garten, Oswalt Donat, Haus u. Wiese u. Wiese im Sauwald gelegen
Feudalabgaben
Andres Marggraf, Jörg Graupner
ein Ganzhufner ("hat Haus, Hof
("hat Haus, Hof und ganz Erbe, und 1 Viertel Erbes")
lehnet und zinset dem Amt ")
(mußten folgende Abgaben jährlich leisten:
"Erbzins" Walburgis
und Michaelisje 4 Groschen je 1 Groschen
"Erbgeschoß”
Martini: 8 Groschen 1 Pf. 2 Groschen
Zins für Mohn: 2 Groschen 3 Pf. für1 1/2 Napf 9 Pf. für 1/2 Napf
Zins für Käse: 5 Groschen 1 Groschen 3 Pf.
"Schuldergeld”
Ostern: 21 Pf. 1 Groschen
Summe : 25 Groschen und 1 1/2 Henne 7 Groschen und 1/2 Henne
(1 Groschen = 12 Pfennige)
Vergleichsweise bekam ein Bergmann einen Wochenlohn von 9 Groschen. Der Ganzhufenbauer mußte also etwa in Höhe von 3 Wochenlöhnen des Bergmanns jährlich zinsen. Das erscheint eher gering. Zu bedenken ist jedoch, daß noch umfangreiche Steuern verschiedenster Art an den Landesherren zu zahlen waren, die zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich waren. Hinzu kamen noch Abgaben zur Versorgung des Pfarrers zu St. Annaberg (Marggraf - 5 Gr., Graupner - 3 Gr.), Dienste und Rüstungslasten. Verzeichnet ist, daß das Dorf den Mühlgraben der Amtsmühle unentgeldlich "reinigen und auswerfen" muß. Widerstand leistete das Dorf in der Frage der Kriegsrüstung. Der Amtmann wollte den Einwohnern die gleiche Last, die der Herr von Schönburg Dörfel auferlegte, den Frohnauern zumuten. Sie sollten "den dritten Teil eines Heerwagens, Pferde u.a. Notdurft " stellen. Die Dorfleute beriefen sich aber auf die Gutserblichkeit, die nur den "vierten Teil darauf erleget". Sie "wollen auch nicht mehr denn 2 Fußknechte zu halten schuldig sein".
Ein weiteres Amtserbbuch existiert für das Jahr 1647, also ein Abgabenverzeichnis am Ende des 30- jährigen Krieges. Registriert wurden dort 60 Landbesitzer, darunter die Besitzer kleiner Gartengrundstücke. Nach der Höhe der Abgaben dürften darunter 14 Erbhöfe incl. des außerhalb des Ortes liegenden Gutes Neudeck sein. Auch die Stadt Annaberg ist als Landbesitzer mit Acker und Wiesen um den Sauwald erfaßt.
Eine interessante Quelle ist auch das Individualhufenverzeichnis von 1764. Das Verzeichnis vermerkt 19 Gutsbesitzer mit 1/4 und mehr Hufen, 9 Besitzer einzelner Grundstücke, als zweite Klasse bezeichnet, und 25 Häusler, die keine Felder besaßen (dritte Klasse).
Das Verzeichnis beurteilt die Qualität des Bodens. Beklagt wird, daß die Frohnauer Flur nur aus schattigen und steinigen Land besteht und sehr unfruchtbar für Getreide sei. "Der Boden ist hier meistens viel armig und hat durchgängig ein schärferes Humus Boden". An Getreide baute man vornehmlich Hafer für das Vieh an. Klee mußte "durch vielen Dünger erzwungen werden", der Boden mußte darauf "10 bis mehr Jahre" ruhen, ehe wieder Getreide angebaut werden konnte.
Die Arbeit der Gebirgsbauern in Frohnau war demzufolge hart und wenig ertragreich, eine Tatsache, die die Abgabenlasten noch in einem anderen Lichte erscheinen läßt.
Das Erbzins-, Pacht- und Fronsystem erhielt sich über die Jahrhunderte bis zu seiner Ablösung infolge bürgerlicher Reformen in Sachsen von 1832. Die Bauern konnten nun ihr Land, geregelt durch das Gesetz über Ablösungen und Gemeinheitsteilungen, durch Entschädigungszahlungen an den Grundherren von den Feudallasten befreien. Die Kapitalsumme der Entschädigung betrug den 25-fachen Wert der jährlichen Lasten. Kaum ein Bauer konnte diesen Wert aufbringen. Der sächsische Staat richtete für das Ablösungsgeschäft die Landrentenbank ein, eine Kreditinstitution, die den Bauern die Ablösung über einen längeren Zeitraum ermöglichte und den bäuerlichen Besitz in Sachsen, im Gegensatz zu Preußen, sicherte.
Eine Akte "Die Ablösung der Baufrohndienste bei der Herrenmühle btr." zeigt , daß der Ablösungsvorgang auch in den Mühlenamtsgemeinden nicht reibungslos vor sich ging, sondern um die Höhe und die Pflicht der Ablösungszahlung tüchtig gestritten wurde. Der Vorgang dauerte immerhin über 18 Jahre, vom Juni 1836 bis Januar 1854 :
Die Fron- und Spanndienste, um die es ging, mußten die Dörfer Frohnau, Kleinrückerswalde und Geyersdorf der Königlichen Amtsmühle zu Frohnau zu leisten. Der Landesherr überließ die Amts- oder Herrenmühle 1786 der Stadt Annaberg erbpachtweise. Dies war noch 1836 der Fall. Der Stadtrat zu Annaberg setzte seine Ablöseforderung an die Gemeinden unberechtigt hoch an, so daß diese mit einem empörten Schreiben an die Königliche Ablösungs- Commission zu Wolkenstein reagierten. Der Stadtrat forderte eine Ablösungssumme von 2 000 Taler, der angeblich jährlich 50 Spann- und 228 volle Handfrondienste entsprechen. Die Gemeinden bestritten den Wahrheitsgehalt der Angaben und setzten ihre Erklärung dagegen :
"Jedoch aber aus einer uns nöthig gewordenen mehrjährigen Durchschnittsrechnung ergibt sich, daß die Einwohner der drei Mühlenamtsdörfer auf ein Gemeinjahr nicht mehr als höchstens nur 14 3/4 halbe Tage gespannt, allwo zu jeder einzelnen Fuhre jedesmal zu dem Anspänner mit den diesen Orten angemessenen schwachen Spannvieh zusammen gespannt, und 24 ½ Handfrohndienste bei der Königlichen Amtsmühle geleistet haben, welches wir auch auf Verlangen zu beweisen im Stande sind, und nun nach dem höchsten Satze die Fuhre auf einen vollen Tag zu 10 Groschen und den Handfrohntag von frühe 8 Uhr bis Nachmittag 4 Uhr zu 2 Groschen berechnet 8 Reichstaler 4 Groschen 6 Pfennig beträgt. Mithin, nun dieses mit 25 mal zu einem Capital berechnet die Summe von 204 Rt. 16 Gr. 6 Pf. vereinigt ."
Der Streit zog sich nun Jahre ohne Klärung dahin. 1845 veräußerte Annaberg die Erbpachtrechte an August Decker, dem Mühlenpächter. Erst 1849 wurde das jährliche Ablösungsquantum auf der Grundlage neuerer Dienstwertberechnungen durch einem Amtsmaurermeister, einem Amtszimmermeister und einem Mühlenbesitzer aus Grumbach für Frohnau auf 18 Taler festgelegt. Der Gemeindevorstand wollte die Summe aus der Gemeindekasse begleichen, was jedoch von der Kommission nicht genehmigt wird. Schließlich einigte man sich auf einer Versammlung von 115 Grunstückseigentümern Frohnaus am 30. Oktober 1850 zur sofortigen Zahlung zur Tilgung, wobei jeder Eigentümer entsprechend der Steuereinheiten Beitrag zu leisten hat, einschließlich der Grundeigentümer der 1847 nach Buchholz geschlagenen Grundstücke. Die Stadt Annaberg wehrte eine Beteiligung an der Zahlung ab, da ihr ihre Grundstücke auf Frohnauer Flur, die Hutweide und das Mühlholz, 1701 und 1825 vom Fiskus überschrieben wurden und diese unbelastet von der Herrenmühle waren. Abgeschlossen wurde die Ablösung entgültig am 10. Januar 1854.
Damit war die Landwirtschaft frei von Feudallasten. Klein- und Mittelbauernhöfe existierten nun unter kapitalistischen Bedingungen für die nächsten hundert Jahre. Erst die Kollektivierung der Landwirtschaft in der DDR, die unter großen politischen, ideologischen und wirtschaftlichen Druck gegenüber Kollektivierungsunwilligen von Seiten des Staates durchgeboxt wurde, führte in Frohnau zum Zerfall der bäuerlichen Eigenwirtschaften und damit des Bauernstandes. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Nachfahren der Frohnauer Bauern heute in anderen Berufen beschäftigt. Ihre Bauernhöfe werden überwiegend zu Wohnzwecken benutzt. Der Gerechtigkeit halber muß man sagen, daß Bauernwirtschaften von durchschnittlich 10 ha unter heutigen Bedingungen wirtschaftlich kaum eine Chance hätten. Die ehemaligen Bauern verpachten ein Großteil Ihres Landes an auswärtige Nutzer.
3. Der Bergbau und andere Gewerbe
Der Silberfund des Frohnauers Kaspar Nietzelt im Jahr 1491/1492 am Schreckenberg und das daraufhin einsetzende große Berggeschrei veränderte dramatisch das Leben in dem weit von den Machtzentren der Fürsten an der Grenze Sachsens abgelegenen Gebirgsdorf. Plötzlich geriet die Region ins Kalkül landesherrlicher Interessen. Sie wurde ein Brennpunkt der Auseinandersetzung der fürstlichen Konkurrenten, des Herzogs Georg und des Kurfürsten Friedrich (der Weise). Der erfolgreiche Bergbau und die landesherrliche Politik führten zur Gründung der Konkurrenzstädte Annaberg und Buchholz. Darauf soll hier nicht näher eingegangen werden, da dies im Jahr 1996 Thema vieler Vorträge und Publikationen anläßlich des 500-jährigen Stadtjubiläum Annabergs war. Nur sei hier noch einmal darauf hingewiesen, daß die damit verbundenen Geschehnisse die mit Abstand wichtigsten in der 800-jährigen Geschichte Frohnaus sind.
In Frohnau wurde damals Landesgeschichte geschrieben: Nach dem ersten Silberfund am Schreckenberg auf Frohnauer Flur tagten die ersten Berggerichte im Garten der Frohnauer Mühle. Die erste Bergordnung entstand 1493 für den Schreckenberg, allerdings unter dem Einfluß des Geyerischen Bergamtes. Die Kommission zur Gründung der "Neuen Stadt am Schreckenberg" trat in der Mühle zu Frohnau zusammen, wobei es sich letztendlich nicht beweiskräftig belegen läßt, ob mit der von den Chronisten genannten Mühle die untere Herrenmühle, heute Standort Leichtmetallgießerei, oder die obere Mühle, Standort Hammer, gemeint ist. Im Anbau einer der Mühlen ließ der Herzog 1498 den ersten Standort der Annaberger Münze errichten, in der die bekannten sächsischen Engelsgroschen geprägt wurden, nach Herkunft des Silbers und dem Prägeort auch "Schreckenberger" oder "Mühlsteine" genannt.
Die bergbaulichen Aktivitäten störten das ruhige dörfliche Leben erheblich. Die Bergfreiheit, die jedermann erlaubte, auf jeden Grund nach Erz zu graben, barg reichlich Konfliktstoff zwischen Bauer und Bergmann. Doch die Bauern mußten sich in das Unvermeidliche fügen. Einige nahmen selbst aktiv am Bergbau Anteil, sei es als Zweitbeschäftigung oder als Gewerke. Zwischen den Gütern bauten Bergleute ihre Häuschen, bekamen wohl auch noch ein Gärtlein dazu und wurden im Dorfe seßhaft. Auch Handwerker und Fuhrleute siedelten sich in größerer Zahl an, wie dies sonst unter rein bäuerlichen Verhältnissen der Fall gewesen wäre. Bergschmiede und Zimmerlinge gehörten zum bergmännischen Berufsstand.
Der Bergbau veränderte die Landschaft um Frohnau erheblich. Haldenzüge entstanden zwischen den Feldern, Weiden und Wäldern, die zu den verschiedenen Zeiten immer wieder überprägt wurden. Sie sind noch heute deutlicher Bestandteil der Landschaft und zugleich Denkmale der Arbeit unserer Vorfahren. Namen von Halden, Berggebäuden, ehemaligen Huthäusern u.a., wie Markus Röhling, Zehntausend Ritter, König David, Bäuerin, Krönung, Neu Heilig Kreuz, um nur einige zu nennen, sind auch heute noch im Gebrauch.
Der maßgebliche wirtschafliche, politische und kulturelle Einfluß der nahen Stadt Annaberg, die administrative Funktionen im Bergbau innehatte und deren Bürger wichtige Besitzrechte im Frohnauer Bergbau beanspruchten, dominierte die Dorfgeschichte Frohnaus seit der Gründung der Bergstadt. In zweiter Linie gibt es viele Berührungspunkte mit der Buchholzer Stadtgeschichte.
Wenig finden wir bei den Chronisten über die eigentliche Dorfgeschichte und dies steht zumeist im Zusammenhang mit dem Bergbau. So berichtete Jenisius in den Annalen unter dem Jahr 1502: "Lorenz Pflock, ein ehrbarer und verständiger Mann, kam erstlich zu der Stadt, als kurz hernach ihm sein Weib folgte, und auf einer Kutsche über Frohnau daher fuhr, dachte sie, der Erdboden schüttere. Und da ihr Mann aus einer Zeche in derselben Gegend, nach nicht langer Zeit reiche Ausbeute hob, hielt er gedachtes Erschüttern für ein gut Anzeichen solches fündigen Bergwerks und ließ Gott zu Ehren und aus Dankbarkeit mitten in demselben Dorf Frohnau eine Kapelle und einen Altar auf seine eigenen Kosten erbauen und weihen." Den Grundstein legte 1515 der Grünhainer Abt Gregor Küttner und der Annaberger Pfarrer Wolfgang Messerschmidt. 1520 weihte der Abt das Kirchlein und benannte es nach Fabian und Sebastian. 1543 wurde die Kapelle verkauft und als Scheune genutzt. Ab 1585 nutze man sie nochmals eine unbestimmte Zeit für gottesdienstliche Handlungen. Ein eigenes Kirchspiel war Frohnau zu keiner Zeit. Das Dorf verblieb seit 1506 bei der Hauptkirche St. Annen, während für Geyerdorf und Kleinrückerswalde die Hospitalkirche zuständig war.
Eine andere, sehr tragische Geschichte überliefert uns der berühmte Agricola. Über die Grube Rosenkranz. die mitten im Dorfe liegt, wußte er in seiner Schrift "Die Lebewesen unter Tage" folgendes zu berichten: "Schließlich kann man unter die Lebewesen unter Tage oder, wofür die Theologen sind, auch die (geistigen) Substanzen rechnen, die Dämonen (Geister), die sich in mancher Grube aufhalten ... Sie sind meist den Bergleuten gegnerisch und feindselig. Ein solcher ist jener Annaberger gewesen, der mehr als 12 Arbeiter in der Rosenkranz genannten Höhle durch den Anhauch getötet hat. Man soll ihn gesehen haben in der Gestalt eines Pferdes mit einem schlanken Hals und trotzigen Augen. "Vermutlich erlitten die Bergleute den Erstickungstot durch Kohlenmonoxid, daß sich an einem schlecht bewetterten Ort durch das Feuersetzen angesammelt hatte. Der geschilderte Dämon entspringt der Wahnvorstellung eines entkommenen Bergmanns. Im Aberglauben jener Zeit spielten Dämonen und ihre harmloseren Artgenossen, die Kobolde, eine wichtige Rolle. Dem konnte sich auch Agricola nicht entziehen.
So bildeten Geschehnisse jener und auch weniger tragischer Art den Stoff Frohnauer Sagen, die der Volksmund über die Jahrhunderte immer weiter erzählte. Die bekanntesten in heutiger Zeit sind die Sagen vom Traum des Daniel Knappe, von der reichen Bäuerin, die in Wein badete, die Sage vom Kätchenstein und die vom Teufel im Frohnauer Hammer.
Die Existenzbedingungen der Dorfbewohner hing über die Jahrhunderte im entscheidenden Maße von der wirtschaftlichen Entwicklung Annabergs und Buchholz`s ab. Ging es den Städten gut, hatten auch die Frohnauer Lohn und Brot. Wirtschaftliche Notzeiten der Städte verursachten Arbeitslosigkeit, Verringerung der Einkommen, Not und Elend im benachbarten Dorf, denn die städtische Wirtschaft war die Basis für den Lebensunterhalt des größten Teils der Dorfbevölkerung. Krisen im Silberbergbau verursachten Hungersnöte in den Bergmannsfamilien.
So brachte die Entwicklung des Posamenten- und Klöppelgewerbes in Annaberg in der Phase des Niedergangs des Bergbaus in der zweiten Hälfte des 16. Jh. auch Erwerb, wenn auch sehr bescheidener Art, für Frohnauer Familien. Diese vermehrten auf diese Weise den Wohlstand des Annaberger Kaufmannsstandes.
Die Impulse für das Entstehen eines dauerhaften ortsansäßigen Unternehmertums kamen ebenfalls aus Annaberg. Der Annaberger Kaufmann Gottfried Rubner erwarb 1657 den seit Jahren stilliegenden Produktionsstandort des Frohnauer Kupferhammers, der ehemaligen oberen Frohnauer Mühle. Dieser hatte eine wechselvolle, wenig erfolgreiche, Geschichte nach der Getreidemühlenzeit hinter sich, als Ölmühle (1612), Silberhammer und Münze in der Kipper- und Wipperzeit (1621 - 1623), Messer- und Scherenschmiede (1629) und eben bis 1641 als Kupferhammer. Rubner ließ die zerfallene Anlage zu einem Eisenhammer, einem Zain-, Zeug- und Schaufelhammer umbauen und verpachtete sie. 1663 verkaufte er sie schließlich an den Elterleiner Schmied Christoph Fischer. 1684 erwarb Johann Claus die Anlage. Damit war der Hammer fest in den Händen einer Hammerschmiedefamilie. 1764 heiratete Jakob Martin aus Oberschöna in die Familie Clauß ein und übernahm den Hammer, den er 1786 förmlich der Schwiegerfamilie abkaufte. Bis 1908 blieb er im Besitz der tüchtigen Hammerschmiedefamilie. Der letzte Hammerschmiedemeister Gustav Martin verkaufte das gesamte Anwesen, Wohnhaus und Hammer, an den Hammerbund e.V. Annaberg, der es der musealen Nutzung zuführte. Die Produktionsstätte blieb bis Mitte des 19. Jh. das einzige bedeutende Unternehmen außerhalb des Bergbaus in Frohnau.
Im 18. Jh. kam es zu einer erneuten Blüte des Bergbaus. Zur größten und bekanntesten Frohnauer Grube jener Zeit entwickelte sich das berühmte Markus-Röhling-Berggebäude. Schwerpunkt war aber nun vor dem Silber das früher als wertlos betrachtete Kobald, dessen Gewinnung für die Blaufarbenproduktion erfolgte. Vom Bergbau lebte bis in das 19. Jh hinein ein großer Teil der Dorfbevölkerung, deren Größe entsprechend der Gegebenheiten schwankte.
Natürlich beeinträchtigten die großen Kriege des 16. - 19. Jh. das dörfliche Leben und den Bergbau. Lehmann, der große Erzgebirgschronist, berichtete z.B. in seiner Kriegschronik von der Umzingelung Annabergs durch die kaiserlichen Soldaten Holcks, deren Wachfeuer vom Pöhlberg aus in Frohnau und Buchholz zu sehen waren. Ebenso erschütterten Mißernten, Hungersnöte und Epidemien, die Geiseln jener Zeit, die Existenz der Menschen. Um dies konkreter für Frohnau zu dokumentieren, ist noch gezielte Forschungsarbeit notwendig.
4. Die Bevölkerungsentwicklung Frohnaus und ihre geschichtlichen Hintergründe
Der weitere Verlauf der Frohnauer Geschichte sei an dieser Stelle im Zusammenhang mit der Entwicklung der Einwohnerzahl und ihrer Sozialstruktur in der gebotenen Kürze skizziert.
Einwohnerzahlen :
Jahr Zahl Quelle Zeitgeschehen
um 1200 unter 100 Erbbauern-Amtserbuch Besiedlung des oberen
(15 Familien) Erzgebirges
1547 etwa 500 Amtserbuch "Silberne "Bergbauzeit”
(92 Familien)
1764 ~400 Individualhufenverzeichnis Augustinisches Zeitalter
(53 Familien) Familien mit Grundstück Absolutismus
1834 496 Volkszählung (amtl.Ergebnis) 1. Phase der Ind. Rev. in Sachsen
1843 862 "Bevölkerungsexplosion”
1871 1220 " Gründerjahre, dtsch. Kaiserreich
1890 1996
1910 1799 Buchholz bekam Territorium (1905)
1914 2024 Schulchronik Beginn 1.Weltkrieg
1928 1810 Adreßbuch Weimarer Republik
1931 1825 " Weltwirtschaftskrise
1939 1609 amtl.Ergebnis Beginn 2.Weltkrieg
1946 1632 Nachkriegszeit
1950 1872 DDR(1949), "Wismutzeit”
1971 1575 amtl. Ergebnis
1980 1324
1989 1335 politische Wende
1990 1240
1992 1206
Bis zum 18. Jh. gibt es keine amtlichen Einwohnerzahlen, so daß man sich nur auf Grobschätzungen berufen kann. Bis 1834 stagnierte die Bevölkerungsentwicklung. Durch Kriege, Hungersnöte, Epidemien trotz hoher Geburtenrate geregelt, pendelt die Einwohnerzahl um die 400. Auch nach dem Ende der napoleonischen Kriege, die letzen Kriege, die das Territorium Sachsens bis zum 2. Weltkrieg direkt heimsuchten, am Beginn der industriellen Revolution in Sachsen, wuchs die Zahl der Einwohner nur geringfügig. Der Altbergbau im Annaberger Revier ging zu Ende, ebenso konnten die Hütten und Hämmer nicht mehr konkurieren. Die Schwerpunkte der industriellen Entwicklung lagen in anderen Gegenden Sachsens und Deutschlands. Das obere Erzgebirge wurde Notstandsgebiet, junge Menschen wanderten ab, manche bis nach Amerika. Trotzdem stieg die Einwohnwohnerzahl in wenigen Jahren nach 1834 kräftig an, was der allgemeinen Tendenz in der Phase der industriellen Revolution in Deutschland entsprach, die Einwohnerzahl begann förmlich zu explodieren. In Frohnau stieg sie innerhalb eines halben Jahrhunderts auf das Vierfache. Auch wenn anfangs die Industrialisierung in Annaberg und Umgebung nur zaghaft Fuß faßte und durch den Niedergang des Bergbaus die Arbeitslosigkeit sich erhöhte, so stieg doch durch die Fortschritte der Medizin, insbesondere bei der Bekämpfung tötlicher Epidemien und durch eine sicherer werdende Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmittel die Lebenserwartung. Bei weiterhin hohen Geburtenraten erhöhte sich die Bevölkerungsdichte erheblich.
Im letzen Drittel des 19. Jh. vollzog sich der industrielle Strukturwandel zur arbeitsintensiven Leichtindustrie mit großer Schnelligkeit im Raum Annaberg und Buchholz, dies wiederspiegelt sich auch in der Beschäftigungsstruktur der Frohnauer Bevölkerung um 1890:
Zu den Einwohnern des Ortes zählten nun vier Unternehmerfamilien aus dem leichtindustriellen Bereich (die Fabrikanten Gehler, Schürer und Meyer sowie der Posamentenverleger Hartmann). Etwa 20% der Einwohner gehörten dem beruflich sehr unterschiedlichen Mittelstand an. Es waren vor allem Handwerksmeister und Händler (vier Bäcker, ein Schuhmachermeister, zwei Fleischer, zwei Schmiedemeister, Baumeister, Gastwirte, Milchhändler und Kohlehändler).
Auch Beamte, die in Annaberg tätig waren, wohnten in Frohnau. Fast 70 % der Bevölkerung gehörte zu den Arbeitern, Angestellten, Handwerksgesellen, wobei die Mehrheit dieser Gruppe schon als Industriearbeiter beschäftigt war. Ausgewiesen sind Fabrikarbeiter, Posamentierer, Kartonagenarbeiter, Elektrotechniker, Telegraphenarbeiter und Monteure aber auch Hand- und Hilfsarbeiter. Unter den Handwerkern bildeten die Maurer die Mehrheit neben den Tischlern, Schneidern, Schuhmacher, Zimmerleuten u.a. Handwerksgesellen. Die meisten Beschäftigten arbeiteten in den benachbarten Städten. Das Dorf besaß nun hauptsächlich die Wohnfunktion für Arbeiter und Angestellte, eine Funktion, die es im wesentlichen bis heute beibehalten hat. Nur 10 % der Dorfbevölkerung lebten noch von der Landwirtschaft.
Der traditionsreiche Bergmannsstand war fast gänzlich verschwunden.
Einen letzten Versuch den Kobald-/Silberbergbau in Gang zu halten, unternahm die Annaberger Gewerkschaft "Himmelfahrt Fundgrube". Ihr gehörten die Gruben Krönung, Getreue Nachbarschaft, Bäuerin und Himmelfahrt. Mit neuer Technik und dem Einsatz der Dampfkraft zur Förderung und Wasserhebung suchte man nach Wegen für einen profitablen Bergbau. Doch dieses Unternehmen war ein Mißerfolg, 1892 erfolgte die Liquidation der Gewerkschaft und damit die Aufgabe des Altbergbaus im Revier. Ein altes Foto der letzten Bergleute mit dem Obersteiger Goltz ist noch heute in der Wirtsstube des Frohnauer Hammers zu sehen.
Die Veränderung der beruflichen Struktur der Frohnauer Bevölkerung beeinflußte im letzten Drittel des 19. Jh. die Qualität des dörflichen Zusammenlebens und der Kultur erheblich. Es wuchs die soziale und politische Differenziertheit gleichzeitig mit dem Bedürfnis nach politischer und kultureller Betätigung. Ausdruck dafür, wiederum eine allgemeine Erscheinung der Bismarckchen und Nachbismarckchen Ära, ist die rasante Entwicklung des Vereinswesens. Wie andereauch, organisierten sich die Frohnauer in Vereinen, entsprechend ihrer politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Interessen. Der Allgemeine Turnverein begründete die Frohnauer Turnertradition. Zu langlebigen Vereinen entwickelten sich ebenfalls der Geflügelverein und der Kaninchenzüchterverein sowie die Bergknapp- und Brüderschaft "Glück Auf", die auch heute noch aktiv tätig sind. Hinzu kamen noch verschiedene gesellige Vereine, der Pfeifenklub "Gut Rauch", der Frauenverein und die Gesangsvereine "Sachsentreue" und "Germania".
Politisch konservative Vereine, so der Patrotische Ortsverein und der Königlich Sächsische Militärverein wirkten hier ebenso, wie der Sozialdemokratische Kreiswahlverein, durch den die Sozialdemokratie am Anfang des 20. Jh. im Ort Fuß faßte. Erfolge in der deutschen Arbeiterbewegung hinsichtlich der Verkürzung der Arbeitszeit förderten die kulturellen Bedürfnisse für die gewonnene Freizeit. So entstand 1913 der Schnitzverein mit Stammsitz Frohnauer Hammer, dessen Wirt im Auftrag der Hammerbundes volkskünstlerische Aktivitäten eifrig förderte. Ein Schnitz- und ein Klöppelverein existiert auch heute noch. Im vergangenen Jahr (1996) schloß sich der Frohnauer mit dem Annaberger Schnitzverein zusammen.
Mit dem beginnenden 20. Jh. veränderte sich die Infrastruktur des Dorfes. 1903 begann der Bau der Trinkwasserleitung, 1904 wurde Frohnau an die Gasleitung angeschlossen und 1911 ans elektrische Netz Annabergs. Das E-Werk stand auf Frohnauer Flur am Standort der 1900 abgebrannten Herrenmühle. Der 1.Weltkrieg verhinderte den weiteren Ausbau der Infrastruktur, der unter Bürgermeister Nestler in den 20-er und 30-er Jahren fortgesetzt wurde und den Stand erreichte, von dem man zur DDR-Zeit 40 Jahre lang zehrte, zumindest was Kanalisation und Straßen betrifft, mit Abstrichen aber auch die anderen Versorgungsleitungen.
Vor Beginn des 1.Weltkrieges hatte die Bevölkerungszahl Frohnaus ihren absoluten Höhepunkt mit rund 2000 erreicht. Von nun an war ihre Entwicklung meist rückläufig oder stagnierend abgesehen von dem Zuwachs bedingt durch Umsiedler und Wismutarbeiter in der Nachkriegszeit nach 1945. Die Kriegslasten des 1. Weltkriegs, die Belastungen der Nachkriegskrise und der Inflation, Arbeitslosigkeit und Armut, all dies wirkte auch auf das Dorf ein. Politisch bekannte sich die Mehrheit der Frohnauer Wähler in der Weimarer Republik zur SPD, der Bürgermeister Nestler hielt sich aus politischen Auseinandersetzungen heraus und hatte in erster Linie das Wohl der Bürger im Auge.
Der Nationalsozialistischen Propaganda des “Dritten Reiches” konnten sich auch viele Frohnauer nicht entziehen. Beredter Ausdruck dafür war der Mißbrauch des Hammerfestes 1936 für das Nationalsozialistische Grenzlandtreffen verbunden mit der Gleichschaltung und Wandlung des Hammerbundes zur Naziorganisation. Die Zahl der Gefallenen und Opfer des 2. Weltkrieges muß für Frohnau noch ermittelt weden, der Blutzoll war nicht gering. Glücklicherweise blieb Frohnau von direkten Kriegshandlungen verschont. Im Ort waren serbische Kriegsgefangene stationiert, die in der Landwirtschaft arbeiteten. Es spricht für die Menschlichkeit des Bürgermeisters Nestler, der selber seinen Sohn im Kriege verlor, daß die Serben und ein polnisches Mädchen bei den am 8. Mai 1945 eintreffenden sowjetischen Besatzern positiv für ihn aussagten, so daß er für den Übergang weiter als Bürgermeister funkierte und der Verhaftung entging. Das polnische Mädchen, das durch eine Flüchtlingsfamilie nach Frohnau kam, bewahrte er vor dem Konzentrationslager, ebenso wie einige der Serben und ihre heimlichen deutschen Freundinnen, wobei auch andere Frohnauer den Mund zu halten wußten.
Die Nachkriegsjahre, geprägt vor allem durch die Tätigkeit der SAG Wismut, die viele Umsiedler, zwangsverpflichtet oder auch freiwillig, ins Annaberger Revier und somit auch nach Frohnau brachte. Die Einwohnerstatistik macht den Einfluß der Wismut deutlich. Nach Beendigung ihrer Tätigkeit auf Frohnauer Flur, Narben sind heute noch deutlich in der Landschaft zu sehen, ging die Einwohnerzahl von rund 1900 auf 1600 zurück. Viele Kumpels verließen wieder die Gegend, einige wenige blieben auch. In den 70er Jahren sank die Zahl nochmals rapide auf rund 1320, wo sie sich in den 80ern einpendelte. Erfahrungsgemäß war das Dorf über die Jahre ständig einer starken Abwanderung besonders von jungen Leuten ausgesetzt. An neuer Wohnsubsstanz entstand wenig. Das Wohnungsproblem wurde vorrangig durch Abwanderung gelöst, wenn man vom Ausbau einiger ehemaliger Wismutgebäude zu Wohnzwecken und der sowjetischen Kaserne zum Altersheim absieht. Hierbei leisteten viele Frohnauer in unzähligen Stunden im sogenannten NAW (Nationalen Aufbauwerk) unentgeldliche Aufbauarbeit. Erst Ende der 70er und in den 80ern enstand ein Eigenheimstandort an der Schlettauer Straße. Die Mangelwirtschaft der DDR hinterließ in Frohnau einen sibirisch anmutenden Straßenzustand und eine z. T. katastrophale Bausubstanz der kommunalen und privaten Gebäude. Leider konnten diese Probleme auch nach der Wende nicht im befriedigenden Maße gelöst werden, u.a. dadurch, daß Fördermittel unter der ersten demokratisch gewählten Nachwendeadministration für unsinnige oder fragwürdige Zwecke an Land gezogen wurden, aber nicht für die Beseitigung der Jahrzehnte alten Mängel. Die Unzufriedenheit vieler Bürger führte 1992/93 zu den kommunalpolitischen Auseinandersetzungen, die zur Abwahl des Bürgermeisters Preiß führten. Von den Ereignissen konnte sich Frohnau letztendlich nicht wieder erholen.
Am 1.1.1996, etwa 800 Jahre nach der Gründung des Waldhufendorfes Frohnau und 500 Jahre nach der Gründung der Stadt Annaberg, erfolgte die Eingemeindung Frohnaus nach Annaberg im gegenseitigen Einvernehmen beider Kommunalräte im Rahmen der sächsischen Gemeindegebietsreform. Es bleibt zu wünschen, daß sich der Ortsteil Frohnau im Rahmen der Stadt Annaberg zum Vorteil seiner Bürger ständig entwickeln möge, ebenso zum Vorteil der Annaberger, besonders durch die Verbesserung der Attraktivität seiner Landschaft, deren Erhohlungswert für den Städter wieder mehr nutzbar gemacht werden sollte.
5. Splitter
Interessantes aus der Ortschronik
(Ausschnitte aus Artikeln des Gemeindeblattes)
120 Jahre Geflügelzüchterverein Frohnau
Anläßlich seines 120-jährigen Bestehens beteiligte sich der Rassegeflügelzüchterverein Frohnau 1874 e.V. mit den anderen Jubilaren, Schule und Feuerwehr, am Dorffest auf der Turnvater-Jahn-Straße im Juni des Jahres. Der eigentliche Vereinshöhepunkt steht aber Ende November in der Frohnauer Turnhalle noch bevor. In der wie jedem Jahr stattfindenden Rassegeflügelausstellung werden die Zuchtrichter ca. 240 Tiere, Tauben und Hühner verschiedenster Rassen, einer kritischen Bewertung unterziehen. Die Austellung war meist gut besucht, die diesjährige ist nun gar die Jubiläumsschau zum 120. Geburtstag des Vereins.
120 Jahre Vereinstradition - damit stellt der Verein heute den ältesten ununterbrochen existierenden Bund nach dem Turnverein in Frohnau dar. Auch während der 40 DDR-Jahre blieben die Traditionen der Züchter sehr lebendig, der Verein existierte in dieser Zeit unter dem Namen "Sparte Rassegeflügel Frohnau" beim VKSK der DDR (Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter). Ich kann mich noch sehr gut an die Vereinsveranstaltungen der 60-er und 70-er Jahre in der damaligen Gastwirtschaft "Bäuerin" erinnern. Neben dem "alten Stamm" der Züchter gab es damals eine Jugendgruppe, die im Kreis Annaberg hinsichtlich ihrer Größe und ihrer Zuchterfolge mit ganz vorn lag. Der Leiter der jugendlichen Mitglieder war damals der leider so früh verstorbene Zuchtfreund Gotthard Kircheis, einer der erfolgreichsten Züchter in der Vereinsgeschichte. Berühmtheit erlangten z.B. seine Englischen Tippler, deren Höhenflüge und akrobatischen Kunststücke in der Luft jeder bewunderte.
Im November 1990 nahm die Sparte Rassegeflügel Frohnau wieder den Namen "Rassegeflügelverein 1874” an. Über die Gründung des alten Vereins selbst ist nur wenig bekannt. Unter dem ersten Vorsitzenden (damals Vorsteher), Zuchtfreund August Meier, schlossen sich in einer Zeit vieler Vereinsgründungen Frohnauer Geflügelzüchter zusammen. Im März 1875 reicht der Vorstand an die Amtshauptmannschaft zu Annaberg den Entwurf der Vereinsstatuten zur Genehmigung ein. Im Dezember desselben Jahres ersuchte "der Geflügelzüchterverein zu Frohnau die geehrte königliche Amtshauptmannschaft um Genehmigung einer alljährlich abzuhaltenden Geflügelausstellung nebst Verlosung" für den Februar 1876. Seitdem finden demnach regelmäßig alljährliche Ausstellungen als Vereinshöhepunkte statt, wie schon erwähnt, bis zum heutigen Tage, wenn man von Unterbrechungen in den Kriegsjahren absieht.
Die Ruine auf dem Schreckenberg
Oftmals fragen Wanderer, welches Rittergeschlecht einst im Mittelalter in der Burg auf dem Schreckenberg gehaust habe. Es mag auch Einheimische geben, die im weithin sichtbaren Wahrzeichen des Schreckenberges bei Frohnau Reste einer mittelalterlichen Burganlage vermuten. Der Schreckenberg hat auf Grund seiner Silberschätze, deren Entdeckung 1491/92 ein großes Berggeschrei auslöste, sicher eine gewisse geschichtliche Bedeutung, eine Burg jedoch stand nie auf seinem Gipfel und kein finsteres Rittergeschlecht der Schreckenberger tummelte sich dort. Die Turmruine ist das Produkt der Verwirklichung romantischer Phantasien einer Annaberger Kaufmannsfamilie in der Mitte des 19. Jahrhunderts.
In den Jahren 1854-56 ließ der Kaufmann Karl Christian Hohl, Inhaber der Annaberger Firma Eisenstuck & Co (Spitzenherstellung), auf der vorher erworbenen Kuppe des Schreckenberges zur Verschönerung der Umgebung die mittelalterlich anmutende Ruine errichten.
Als geistiger Urheber des Bauwerkes gilt der mit Hohl verwandte Geheime Regierungsrat Karl Friedrich Reiche-Eisenstuck (bis 1855 Bürgermeister Annabergs). Die Firma Eisenstuck & Co finanzierte den Bau. Dieser erfolgte teilweise als Notstandsarbeit, um der großen Arbeitslosigkeit im Gebirge in jenen Jahren entgegenzuwirken (Infolge des Notstandes sank die Einwohnerzahl Annabergs von 9294 im Jahre 1852 auf 8852 im Jahre 1855).
Das romantisch wirkende Gemäuer verfehlte nicht die beabsichtigte Wirkung auf die Zeitgenossen der Erbauer und auf die nachfolgenden Generationen. Es war seither Anziehungspunkt vieler Ausflügler, Wanderer und Spaziergänger der Umgegend. Kinder übten sich dort in abenteuerlichen Spielen, Liebespärchen nutzten lauschige Ecken an Buschgruppen an der Ruine. So war es bis in die 70-er Jahre unseres Jahrhunderts hinein. Beispielsweise galt der Berggipfel um 1970 als beliebter Treffpunkt der Frohnauer Jugend, insbesondere wegen des guten Empfanges von Bayern 3 an diesem Ort. Die Klänge der Rolling Stones aus Transistorradios erfüllten zeitweise die Gemäuer, sicherlich nicht zum Wohlgefallen gewisser Beobachter.
Danach büßte der Standort ständig an Attraktivität ein. Ein mit Stacheldraht umzäunter Sendemast verschandelte den Gipfel. Die Schrebergartenbebauung wurde zu weit an die doch unfruchtbare Bergkuppe herangezogen und an unpassendster Stelle ein Garagenbau hingesetzt. Baumaterialien zierten den Platz neben der Ruine. Die Mülldeponie (inzwischen eingestellt) zwischen Wohngebiet Krönung und Berggipfel tat ein übriges zur Verschandelung der Landschaft. Die Ruine ist infolge einer zunehmenden Baufälligkeit zur Gefahrenquelle geworden.
Um diese zu erhalten, sind dringend Sanierungsmaßnahmen erforderlich.
Hierbei trägt die Stadt Annaberg und gleichermaßen die Gemeinde Frohnau die Verantwortung, da das sich auf Frohnauer Flur befindliche Gelände mitsamt Ruine Eigentum Annabergs ist.
Es bleibt zu hoffen, daß eine Sanierung von Bauwerk und Landschaft baldigst erfolgt, so daß der Standort im Interesse eines wachsenden Tourismus und im Interesse der Bevölkerung der Umgebung in attraktiver Form in das örtliche Wanderwegenetz einbezogen werden kann. Denn auch der Rundblick vom Gipfel des kleinen Bruders des Pöhlberges lohnt und interessante Wanderrouten können sich dem Besuch der 140 Jahre alten Ruine anschließen.
Kriegsende
Ende April / Anfang Mai 1945 schlossen sich die Fronten der Alliierten um die letzten unbesetzten Teile Deutschlands zusammen. Die Schlacht um Berlin besiegelte den Sieg der Sowjetarmee. Hitler beging Selbstmord. Der Geschützdonner der Westfront war am 1. Mai in Frohnau schon deutlich zu hören , trotzdem fand an diesem Tag eine Gedenkfeier für Adolf Hitler in der Turnhalle statt. Die Halle war voll besetzt, die nationalsozialistische Ideologie hatte sichtbare Spuren hinterlassen.Viele glaubten an einen "Heldentod des Führers" und trauerten, einige mögen sogar noch an das Wunder des Endsieges geglaubt haben. Wie alte Frohnauer bezeugten, kann man aber trotzdem annehmen, daß die meisten Einwohner des Ortes ein Ende des Krieges herbeisehnten und auch nicht mehr auf die Lügen des faschistischen Propagandaapparades hereinfielen.
Der Krieg hatte in den meisten Familien bitteres Leid hinterlassen.
In den letzten Kriegsmonaten warf die faschistische Führung ihr letztes Aufgebot den alliierten Panzern entgegen. Der Volkssturm wurde gegründet, alle noch verfügbaren Männer, alte und junge, meist vom Kriegsdienst ausgemustert, zog man dazu heran. Auch Frohnau mußte eine Volkssturmeinheit bilden, deren Vereidigung am 12. November 1944 in der Turnhalle stattfand. Die Bewaffnung bestand aus Karabinern aus dem 1.Weltkrieg, die dem Schützenverein gehörten. Die meist älteren Männer, über die 50 hinaus ,mußten am Schießstand exerzieren. Eingesetzt wurden sie in Buchholz nach dem Bombenangriff zu Rettungs- und Wacharbeiten. Ende April 1945 mußten sie Wach- und Bereitschaftsdienste leisten. Wie viele Städte wurde auch Annaberg zur Festung erklärt. Der Frohnauer Volkssturm erhielt Befehl, auf der Dörfler Höhe Stellung zubeziehen. Dort erwarteten sie die Amerikaner. Doch diese hatten an der Zwickauer Mulde haltgemacht, zum Glück für Frohnau, denn dadurch wurde unsere Gegend kein Kampfgebiet und den am Ort befindlichen Menschen, Einwohner, Flüchtlingsfamilien und kriegsgefangene Serben, blieb wahrscheinlich einiges an Leid erspart.
Am 7. Mai durchzog noch eine Wehrmachtseinheit in Kompaniestärke den Ort. Die müden, abgekämpften Soldaten hielten am Hammer ein Biwak ab. Wahrscheinlich bildete diese Einheit eine zusammengewürfelte Truppe, die sich von der Ostfront abgesetzt hatte und weiter nach Nordböhmen zog , um den Russen nicht in die Hände zu fallen. Sie hielten sich nur wenige Stunden auf und zogen weiter. Nachrichten ,daß in Berlin die bedingungslose Kapitulation erfolgte, veranlaßten den letzten Ortsgruppenleiter der NSDAP vernünftigerweise den Volkssturm nach Hause zu schicken.
Was nun folgte, beschrieb der damalige Bürgermeister Nestler in seinen Erinnerungen:
"Bei Kriegsende am 8. Mai 1945 zogen sowjetische Soldaten auch in Annaberg ein. Zum Zeichen, daß in Frohnau kein Widerstand geleistet wird, hatte ich am Fahnenmast des Gemeindeamtes ein weißes Bettlaken aufziehen lassen. In den Nachmittagsstunden desselben Tages kam ein Offizier der Sowjetarmee mit vorgehaltener Pistole in mein Dienstzimmer und verlangte die Herausgabe aller verfügbaren Waffen. Ich händigte ihm die Polizeipistolen aus und er nahm mich als Verhafteten nach der Gaststätte "Saxonia" mit, wo sowjetische Militärfahrzeuge abgestellt waren.
Ich wurde an einen Kübelwagen gestellt, mußte meine Hände auf den Rücken legen und wurde von einem mit aufgepflanztem Gewehr bei Fuß stehenden Soldaten bewacht."
Der Bürgermeister wurde am gleichen Tage wieder freigelassen. Ein polnisches Mädchen, das sich mit Nestlers Wissen bei einer Flüchtlingsfamilie aufhielt, sagte gut für ihn aus. Auch die serbischen Kriegsgefangenen, die in der "Germania" lagerten und bei den Bauern arbeiteten, haben sich sicherlich für ihn verwendet. Deckte er doch verbotene freundschaftliche Beziehungen deutscher Mädchen zu ihnen und bewahrte die Beteiligten damit vor Gestapo und KZ.
Bei der Besetzung Frohnaus durch die Sowjets am 8. Mai gab es keinerlei Reibereien zwischen Soldaten und Einwohnern, wie Nestler bezeugt. Die Russen befürchteten zwar noch einen Überfall fanatischer Faschisten aus Annaberg und bezogen MG-Stellungen in den Halden westlich Frohnaus, es blieb jedoch alles ruhig. Der Krieg war aus.
Frohnau und die Eingemeindungsfrage in der Vergangenheit
1.Teil: Der Gräbnersche Vorstoß zur Eingemeindung Frohnaus im Jahre 1905
Die in der Gegenwart auf Grund der sächsischen Gemeindegebietsreform überall auf der Tagesordnung stehende Diskussion über die Frage des zukünftigen Weges einer Gemeinde - Bewahrung der politischen Selbstständigkeit oder Eingemeindung - ist für Frohnau nicht neu. Schon vor 90 Jahren legte der damalige Gemeindevorstand (Bürgermeister) Gräbner seinem Gemeinderat diese Frage auf den Tisch. Am 9. Februar 1905 bat das Oberhaupt der Frohnauer Gemeinde die Ratsmitglieder um die Vollmacht, beim Stadtrat Annaberg anzufragen, "ob und unter welchen Umständen man einer Einverleibung der Gemeinde Frohnau in den Stadtbezirk Annaberg näher treten würde". Er begründete sein Anliegen damit, "daß der erbitterte Konkurrenzkampf der Städte Annaberg und Buchholz" es ratsam erscheinen ließe, "eine Gewißheit darüber zuerbringen, ob Annaberg an Frohnau ein Interesse hat, weil es sonst vorkommen könnte, daß Frohnau von diesen beiden Städten nur Nachteile erleidet." Der Gemeinderat beauftragte dann auch einstimmig den Gemeindevorstand mit einer entsprechenden Anfrage beim Stadtrat.
Die Frage nach der Eingemeindung wurde nicht zufällig in dieser Zeit gestellt, sie war historisch infolge der Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert in dicht besiedelten Gebieten herangereift.
Die Schaffung großer Industrieflächen, die Bevölkerungsexplosion in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts und der Ausbau der industriellen Infrastruktur ließ die Ortschaften um die Zentren der unterschiedlichsten Größenordnungen zusammenwachsen. In Großstädten wie Chemnitz oder Leipzig waren Eingemeindungen selbstverständlich und die Regel. In mittleren und kleinernen Städten behielten die Vororte oft noch ihre politische Selbstständigkeit, obwohl diese in der Hauptsache die Wohnfunktion für die größeren Orte innehatten. Die Eingemeindung Kleinrückerswaldes nach Annaberg im Jahre 1912 bildet eher eine Besonderheit in unserer Region. Auch das Zusammenwachsen der Dörfer in den Tälern führte noch zu keinen wesentlichen Änderungen der kommunalen Verwaltungseinheiten. Infolge der wirtschaftlichen Entwicklung äußerten aber einige Kommunalpolitiker entsprechende Vorstellungen. So äußerte auf einer Festrede zu Ehren des neuen Bürgermeisters von Buchholz am 12. September 1906 der Annaberger Stadtverordnete Matthes, daß "einst die Zeit komme, wo Annaberg, Buchholz.Cunersdorf, Kleinrückerswalde, Geyersdorf, Teile von Wiesa und vielleicht auch Frohnau eine einzige große Interessengemeinschaft bilden unter einer einheitlichen Leitung.”
1905 sah der Annaberger Stadtrat diese Zeit offensichtlich noch nicht herangereift, wie die unterkühlten Reaktion auf die Anfrage des Frohnauer Gemeindevorstandes zeigte. Gräbner schrieb an den Rat, daß die Gründe, die die "Einverleibung einer Landgemeinde in einen Stadtbezirk als geboten" erscheinen lassen, im Falle Frohnaus vorhanden sind. Auch wenn die letzte Gebietsabtretung Frohnaus an Buchholz im vorausgegangenen Jahr in Annaberg große Verärgerung hervorgerufen hat, um so mehr rechtfertige sich die Anfrage. Gräbner erläuterte kurz die recht geordneten Finanzverhältnisse des Dorfes und sagte aus, "daß in Frohnau auf allen Gebieten geordnete Verhältnisse zu finden" seien, außer der Wohnbaupflicht, die durch den Vertrag geregelt werden müßten.
Der Stadtrat behandelte die Anfrage am 27.2.1905 und verlangte von der Gemeinde nähere Mitteilungen über Etat, Einwohnerzahl und Steuerkraft ohne eine grundsätzliche Antwort zu geben.
Die Gemeindeverwaltung übermittelte dem Stadtrat die letzte abgeschlossene Jahresabrechnung von 1903, den Haushaltsplan und einige Angaben zur Bevölkerungszahl und Wirtschaft der Gemeinde.
Inzwischen hatte Buchholz von den Frohnauer Bemühungen erfahren. Der Stadtrat informierte die Amtshauptmannschaft, daß Buchholz gegen eine Vereinigung der Landgemeinde Frohnau mit Annaberg Widerruf erhob. Der Stadtrat Annaberg aber übermittelte am 20. April dem Gemeindevorstand Gräbner, daß eine Prüfung der Anfrage nur nach Beantwortung wichtiger Fragen erfolgen würde, um das Verhältnis Frohnaus zu Annaberg richtig beurteilen zu können.In der Anlage stellte er 21 Fragen, die im Detail die Einwohnerentwicklung, Steuerklassen, Steueraufkommen, Bautätigkeit, Armenwesen, Industrie und Gewerbe in den letzten 15-30 Jahren und die Ortsplanungen betrafen, deren Beantwortung von der Gemeinde einen unmöglichen Arbeitsaufwand abverlangten. Der entsprechende Gemeinderatsbeschluß Frohnaus lautetete danach folgendermaßen: "Die in der Einbezirkungsfrage Annaberg-Frohnau von Seiten Annaberg gestellten 21 Fragen erscheinen dem Gemeinderat als Ironie und beschließt man eine Antwort darauf nicht zu erteilen.”
So endete der Versuch Gräbners, den Anschluß an Annaberg herbeizuführen. Im Jahr darauf versuchte er Kontakt mit Buchholz aufzunehmen, um die Eingemeindung mit dem Konkurrenten Annabergs zu betreiben. Den Rat trug er vor: "Und wenn dieser Versuch nicht gelingen sollte, so will ich wenigstens der Nachwelt überliefern, daß ich schon heute erkannt habe, was von der Einwohnerschaft vielleicht zu spät erkannt wird. Nach meiner Ansicht ist jetzt der geeignete Augenblick für eine Einverleibung zu gunsten Frohnaus gekommen." Er führte vor allem wirtschaftliche Gründe sowie die Anbindung Frohnaus durch den Bahnhofsbau Buchholz und der Sehmatalstraße an. Der Gemeinderat lehnte aber das Vorhaben Gräbners ab,"in Anbetracht,daß von der Ausbezirkung des Schottenbergs her in Annaberg noch Mißstimmung herrscht und man ferner in kirchlicher Hinsicht schwere Gewitterwolken heranziehen zu sehen glaubt" (Frohnau ist seit alters her in Annaberg eingepfarrt).
2.Teil: Die Abstimmung der Frohnauer Bürger im Jahre 1925
Am 2. Februar 1925 suchte der Annaberger Bürgermeister Dr. Krug seinen Frohnauer Kollegen Heinrich Nestler in seinem Amtszimmer auf. Dr. Krug äußerte dem Frohnauer Bürgermeister gegenüber den Wunsch, Frohnau nach Annaberg einzugemeinden. Auch an Buchholz, Cunersdorf, und Geyersdorf trat er mit dem gleichen Anliegen heran, das ja 20 Jahre vorher schon einmal diskutiert wurde. Er begründete den Wunsch damit, daß Annaberg aus dem Bezirksverband austreten wolle, was bedeuten würde, dann nicht mehr der Amtshauptmannschaft als Aufsichtsbehörde unterstellt zu sein. Dazu seien aber über 20 000 Einwohner nötig und Annaberg habe momentan nur eben 18500. Nestler versprach das Thema baldigst und zunächst vertraulich auf die Tagesordnung des Gemeinderates zu setzen.
Schon am 5.Februar berieten die Gemeindeverortneten über ihre Reaktion auf den Wunsch des Annaberger Bürgermeisters, wobei diese die Begründung als nicht ausreichend ansahen. Man wollte hören, welche Vorteile Frohnau aus der Einverleibung erwachse und zunächst abwarten. Am 26. Februar trat der Stadtrat offiziell an den Frohnauer Gemeinderat heran und lud zu Verhandlungen ins Annaberger Rathaus ein. Die erste Runde fand am 4. März mit beiden Bürgermeistern und Vertretern der Räte statt. Nestler äußerte seinen Unmut darüber, daß Frohnau nur Mittel zur Ausbezirkung Annabergs sein sollte, was gegen die Interessen anderer Gemeinden sei. Daraufhin sicherte der Stadtrat mehrere Dinge zu, die im Einzelnen noch ausgehandelt werden müßten. Die Frohnauer wollten nun zunächst die Absicht Annabergs vor den Gemeinderat bringen, der entscheiden mußte, ob die Frage weiter zu verfolgen sei. Das Thema wurde nun in zwei Sitzungen von den Gemeindeverordneten beraten, wobei sehr unterschiedliche Meinungen aufeinander trafen. Als Beschluß kam schließlich heraus, daß man an Annaberg 10 Forderungen als Voraussetzung für die Einverleibung stellen wolle. Die Entscheidung über die Eingemeindung selbst sollten aber die wahlberechtigten Bürger in einer geheimen Abstimmung treffen. Zunächst lud der Rat die Frohnauer Bürger zu einer Einwohnerversammlung am 15.März in Wagners Gasthof ein.
An dem genannten Sonntag kamen 14:00 Uhr gegen 250 Einwohner Frohnaus in den Gasthofsaal. Nestler eröffnete die Veranstaltung. Er gab die Entscheidung des Rates bekannt, die Angelegenheit der Eingemeindung der gesamten Einwohnerschaft zur Entscheidung zu überlassen. In einer einstündigen ununterbrochenen Rede erklärte er sachlich und gemeinverständlich das Für und Wider der Eingemeindungsfrage. Nach seiner mit Beifall aufgenommenen Rede kam es zur freien Aussprache, wobei die Meinungen der Bürger sehr unterschiedlich waren und die öffentliche Stimmung nicht geklärt werden konnte. Die Einwohnerschaft war auf Anfrage Nestlers aber bereit, daß die Bedingungen gestellt werden und nach Eingang der Gegenvorschläge Annabergs nochmals eine Einwohnerversammlung stattfinden soll, der dann die Abstimmung zu folgen hat.
Die anschließenden Vehandlungen mit Annaberg über die 10 Frohnauer Bedingungen wurden am 7. Mai abgeschlossen. Die Ergebnisse gab der Bürgermeister den Bürgern in einer zweiten Einwohnerversammlung am 24. Mai, ebenfalls sonntags, bekannt. Obwohl in einigen Punkten keine Einigung erzielt weden konnte, so brachten doch die Verhandlungen ein weitgehendes Entgegenkommen der Annaberger Stadtväter in den wesentlichen Punkten. So sollte die Verwaltungsstelle in Frohnau belassen werden. Die Stadt verpflichtete sich, das von der Gemeinde geplante Wasserprojekt bis 1927 durchzuziehen und bestimmte Straßenbau- und Stromversorgungsmaßnahmen in bestimmten Fristen zu gewährleisten. Die Stadt bestand jedoch auf den Schlachthofzwang für die Frohnauer Fleischer und auf die schrittweise Aufhebung der Sperrung der Sehmatalstraße für den Kraftwagenverkehr.
Die anschließende Aussprache gestaltete sich sehr emontional. Der Oberlehrer Paatzsch begrüßte das Entgegenkommen Annabergs und hielt die Eingemeindung wirtschaftlich für vernünftig. Dagegen rief der Gutsbesitzer Graupner auf, gegen die Einverleibung zu stimmen. Eine Bürgerin trumpfte etwas naiv mit der Bemerkung auf, "daß Frohnau die Mutterstätte Annabergs ist und die Einverleibung wohl im entgegengesetzten Sinne zu erfolgen hätte." Abschließend wurde der Abstimmungstag für den 7. Juni bekanntgegeben.
Die Abstimmung wurde mit Spannung erwartet, Aufrufe für und wider der Eingemeindung machten die Runde, der Ausgang war ungewiß. So löste das schließlich eindeutig erzielte Ergebnis besonders in Annaberg doch einige Überraschung aus. Von 983 Wahlberechtigten erschienen nur 695, das sind 70%, zur geheimen Abstimmung. Davon stimmten 489 Bürger gegen und 202 für die Eingemeindung nach Annaberg. Vier Stimmen waren ungültig. Damit entschieden sich 70% der abstimmenden Bürger gegen die Eingemeindung. Die Würfel waren gefallen.
In einem Schreiben an den Frohnauer Gemeinderat drückte der Bürgermeisters von Annaberg im Namen seines Rates tiefes Bedauern zum Wahlergebnis aus, "obwohl die Erfüllung der von der Gemeinde Frohnau geäußerten Wünsche nahezu restlos zugesagt worden ist." Er äußerte die Meinung, daß die wirtschafliche Entwichlung über kurz oder lang dahin führen würde, daß die Gemeinden, die räumlich in einander fließen, sich in verstärktem Maße als bisher zusammenschließen müssen.
Aus der Schulchronik
Wann der erste Lehrer zur Anstellung kam, wie er und dessen Nachfolger geheißen hat, ist festzustellen nicht möglich. Die Schuld daran tragen zu allermeist die vielen Brände, die den Ort heimgesucht haben. So viel aber bekannt geworden ist, hat in der Mitte des 17. Jahrhunderts ein Schneidermeister Ranft die Schulstelle verwaltet und neben seinem Beruf in seinem eigenen Hause noch Schule gehalten. Diesem wurde im Behinderungsfällen ein Bergmann Karl Gottlob Ahrenberger als stellvertretender Lehrer zugeteilt, der vom Jahre 1782 allein den Lehrerposten versah. Um diese Zeit wurde auch von der Gemeinde ein eigenes Schulhaus erbaut.
1884
Den 1. Oktober ward das neuerbaute Schulhaus geweiht. ... Zur Schulweihe schenkten die Frauen des hiesigen Ortes der Schule eine wertvolle grün-weiß-seidene Fahne, sowie eine Flagge in den Landesfarben.
1914
Das Jahr 1914 war ein sehr fruchtbares Jahr. Es wurde eine Rekordernte erziehlt. Das war für Deutschland außerordentlich wichtig wegen des Ausbruchs des des Weltkrieges u. des Aushungrungsplanes der Engländer.
Der Ausbruch des Weltkrieges bereitete auch dem Schulfeste, das am 2. u. 3. Aug. auf der Bäuerin stattfinden sollte, ein jähes Ende. Es war schon vieles vorbereitet und angeschafft worden, da wurde durch Kaiser Wilh. II. am 1.Aug. die Mobilmachung aller deutschen Streitkräfte zu Wasser u. zu Lande angeordnet , nachdem am 30. Juli schon der Kriegszustand verhängt worden war. Die Mobilmachung geschah an einem Sonnabende nachmittags 5 Uhr, es war ein herrlicher Augusttag. In Annaberg waren für den Fall der Mobilmachung schon viele Automobile bereitgestellt worden. Diese setzten sich um 5 Uhr mit weithinschallendem, auch in Frohnau hörbaren Getute in Bewegung. In kürzester Zeit hielt ein Automobil vor unserm Gemeindeamte u. sofort wurde die Mobilmachungsorder an verschiedenen Stellen des Ortes angeschlagen. Überall standen die Leute auf den Straßen; es herrschte große Aufregung aber auch große Begeisterung. Viele Leute strömten nach Annaberg hinauf auf den von Menschen dichtgedrängten Marktplatz, wo begeistert patriotische Lieder gesungen u. Reden gehalten wurden. Am Sonntagvormittag wurden am "Hammer" die Wagen gemustert, die Frohnau stellen mußte .
Schon am Montag, d. 3. Aug., mußten viele Reservisten u.s.w. eintreffen. Sie zogen mit Gesang u. Musik auf den Annaberger Bahnhof. Die Kinder in der Schule waren sehr aufgeregt u. viele weinten, da viele Väter mit in den Krieg ziehen mußten.
(Anm. Rand : Als der Krieg begann, kauften sich viele Leute gleich zentnerweise Mehl, der Preis desselben stieg schnell. Auch Kolonialwaren wurden in großen Mengen auf Vorrat angekauft u. dadurch die Preise für diese in die Höhe getrieben.)
Am Dienstag, d. 4. Aug., war wieder große Aufregung im Orte. Auf allen Straßen waren bewaffnete Posten aufgestellt; denn es war das Gerücht verbreitet, daß durch die hiesige Gegend franz. Autos kämen, die Gold nach Rußland schaffen sollten. Dabei wurden auch zwei Radfahrer, die man als Spione ansah, aufgegriffen u. ins Gemeindeamt gebracht. Der eine war ein auswärtiger Butterhändler (Geyer), der andere wurde als fahnenfluchtverdächtig ins Annaberger Amtsgericht eingeliefert .
Die Arbeit ging sofort bei Kriegsbeginn sehr schlecht; in vielen Fabriken wurde die Arbeitszeit verkürzt. Vor allen Dingen fehlte die Heimarbeit für die Frauen, doch wurde die Arbeitslosigkeit etwas vermindert dadurch, daß das Rote Kreuz Strümpfe stricken u. Bettbezüge anfertigen ließ.
Der Frauenverein kaufte Garn u. ließ ebenfalls für das Rote Kreuz Strümpfe stricken.
Aus den Wäldern wurde im Herbste 1914 viel Holz eingetragen. Die Bauern klagten aber auch über Holz- u. Kartoffeldiebstähle. Die Wälder zeigten im Herbste 1914 großen Pilzreichtum, der auch unseren Einwohnern sehr zustatten kam .
Die arbeitslosen Männer wurden an den Straßen mit Notstandsarbeiten beschäftigt. (Was den Straßen sehr zu gute kam) Diese Wege kamen dadurch in einen recht guten Zustand. (Anm.: Viele gingen als Armierungsarbeiter nach Ostpreußen, Belgien u.s.w.)
Viele Mädchen u. Frauen fanden bis zum Ende des Krieges Beschäftigung durch Anfertigung von Militärkleidungsstücken. Auch hiesige Schneider verfertigten solche. Auch Tornister u. Hufeisen für das Militär wurden in Frohnau gemacht.
Zwei Fortbildungsschüler (Hermann Neubert u. Alfred Sonntag) meldeten sich als Kriegsfreiwillige. Sie kamen zunächst nach Marienberg u. später an die Front . Einige andere solche Meldungen von Fortbildungsschülern wurden nicht berücksichtigt. Etliche waren als Armierungsarbeiter in Nordfrankreich, Belgien u. Ostpreußen tätig .
Während des Krieges mußten Tanzmusiken, Bälle u.s.w. eingestellt werden; die Gasthäuser durften bloß bis 1 Uhr nachts geöffnet sein.
Bei Beginn des Krieges erklärten sich der Gemeindevorstand, der Kassierer, sämtliche 4 Lehrer u. die meisten hiesigen Eisenbahnbeamten u.s.w. freiwillig bereit, 5 % ihres Gehaltes als Kriegssteuer an den hiesigen Kriegshilfsausschuß abzugeben (M. Paatzsch, Lehrer, monatlich 15 M, Lehrer E. Schuffenhauer 13,90 M, Lehrer Lochmann 9,79 M, Hilfslehrer Weber 5 M) Die Zahlungen hörten im Oktober 1915 auf (der Berichterstatter, M. Paatzsch, hatte bis dahin 183 M abgeliefert .)
Vor Weihnachten 1914 wurde von der Gemeinde Garn zu 103 Paar Strümpfen gekauft. Die Strümpfe wurden unter Anleitung der Handarbeitslehrerin in 3 Wochen von den Mädchen der 1., 2. und 3. Klasse in der Schule in besonderen Stunden gestrickt .
Jeder Frohnauer Krieger bekam von der Gemeinde zu Weihnachten 1914 ein Paar Strümpfe, 50 Zigaretten, eine Büchse Ölsardinen u. einen Heimatgruß.
Mit Begeisterung wurden die Siege von Lüttich, Namur, Maubeuge, Antwerpen, Tannenberg aufgenommen. In Annaberg läuteten die Glocken. Hier wurden Freudenschüsse abgegeben. In der Schule wurden entsprechende Feiern abgehalten. Einige Male fiel die Schule aus . (Anm.: Auf allerhöchsten Befehl ordnete das Min. d. K. etc an, daß angesichts der Siege in Polen der Unt. am 19. 12. auszufallen habe u. dafür Schulfeiern zu veranstalten seien .)
Wetterkapriolen
Im Sommer des Jahres 1911 herrschte eine außerordentliche Hitze u. Trockenheit. Vom Juni bis Okt. fiel so gut wie gar kein Regen. An eine Grummeternte war gar nicht zu denken. Die Kartoffeln waren klein u. zeigten Auswüchse. Es fehlte allenthalben an Wasser. Die Einwohner mußten zur Sparsamkeit im Wasserverbrauch ermahnt werden. Vor allem litten die Privatwasserleitungen an Wassermangel. Viele Landwirte hatten ein halbes Jahr lang kein Wasser in ihren Leitungen und mußten das Wasser oft weit herholen. Das Schulwasser vor dem Schulhause lief allerdings bis zuletzt bindfadenstark. Der Winter 1911/12 war recht wenig schneereich. Im Febr. 1912 konnte man ohne Überrock auf dem Schreckenberge spazieren gehen. In der Osterwoche 1912 setze allerdings ein stärkerer Nachwinter ein.
Der Sommer 1912 war vom 1. Aug. bis weit in den Okt. hinein außerordentlich regenreich. Es regnete fast jeden Tag. Infolgedessen war alles Getreide ausgewachsen; es wuchs sogar auf dem Halme aus. An eine Grummeternte war der feuchten Witterung wegen wieder nicht zu denken. Unter den größten Schwierigkeiten - halbfeucht- nur konnte das Getreide eingebracht werden.
Anfang 1913 herrschte eine sehr milde Witterung. Auf den Feldern wurde von Neujahr 1913 an allenthalben gepflügt u. gesät. Auf dem Schreckenberge blühten am 2. Jan. die Gänseblümchen.
Einzelne Sträucher fingen an auszuschlagen .
Um Ostern herum erfolgte aber ein gewaltiger Kälterückschlag. Alle Blütenknospen an den Obstbäumen erfroren in einer Nacht.
Literatur- und Quellenverzeichnis
G. Agricola, Die Lebewesen unter Tage 1559, Ausgewählte Werke, Bd. VI, Berlin 1961
L.Bönhoff, Die Herrschaft Pöhlberg..., Annaberg 1905
P. Jenisius, Annaberger Chronik, bearb. von Helmut und Reinhart Unger, Leipzig 1994
B. Lahl, Frohnau an der Silberstraße, Freiberg 1992
H. Nestler, Ein Teil der Ortsgeschichte der Gemeinde Frohnau, 1921-1945, Frohnau 1976,Manuskript
Beiträge zur Geschichte des Landkreises Annaberg, Hefte 1-5 :
L. Uhlig, Vom Miriquidi zum ausgebauten Land, Annaberg 1993 (Heft 1)
L. Klapper, Vom Altbergbau, Annaberg 1994 (Heft 2)
M. Kaden, Wismut-die"wilde" Zeit, Annaberg 1994 (Heft 3)
L. Klapper/L. Uhlig, Kirchliche Verhältnisse, Reformation und Bauernkrieg, 1.u.2. Teil, Annaberg 1996 (Heft 4 u. 5)
Festschrift zum 500-jährigen Jubiläum der Stadt Annaberg, Annaberg 1996
Festzeitung zum Hammerfest 1991
Frohnauer Mitteilungen (Amtsblatt der Gemeindeverwaltung), 1992 -1995
Sächs Hauptstaatsarchiv Dresden, Loc 9827, Bl.70
Mühlenamt Annaberg, Amtserbuch 1547
Mühlenamt Annaberg, Amtserbuch 1647
Individualhufenverzeichnis Nr. 12, 1764
Akten des Gemeindearchives Frohnau
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